Thomas Riess / Flow


Flow
Vernissage am 6.10.2017
18 Uhr - 21 Uhr, Künstler ist anwesend
Ausstellungszeitraum 6.10. – 4.11.2017

Flow
Opening 6 October, 6pm to 9pm
The artist is present
Exhibition period 6 Oct to 4 Nov2017

Neue Werke

Der österreichische Künstler Thomas Riess wird seit dem Jahr 2015 von unserer Galerie, als einzige Vertretung in Deutschland, präsentiert. In der Oktober-Ausstellung diesen Jahres zeigen wir neue Werke des Künstlers.
Der aktuelle Katalog ZOOM erschien zu Beginn des Jahres und bereitet hervorragend auf die kommende Ausstellung vor. 

New Works

The Austrian artist Thomas Riess has been presented since 2015 by our gallery - as the only representative in Germany. In the October exhibition this year, we will show new works by the artist.
The current catalog ZOOM appeared at the beginning of the year is a good prepersion for the upcoming exhibition.

Idol 2017 Öl auf Leinwand/oil on canvas 150 x 100 cm 

Idol
2017
Öl auf Leinwand/oil on canvas 150 x 100 cm 

Idol 2 2017 Öl auf Leinwand/oil on canvas 140 x 100 cm

Idol 2
2017
Öl auf Leinwand/oil on canvas 140 x 100 cm


Kann die Malerei ein gangbarer Weg sein, um unsere multimediale Wirklichkeit zu hinterfragen, zu reflektieren, treffende Bilder dafür zu finden? Kann eines der traditionellsten Medien der bildenden Kunst in einer Welt, die von Fotos auf Instagram und Filmen auf YouTube, von digitalen Bildern und virtuellen Realitäten bestimmt zu werden scheint, eine zeitgemäße Antwort auf die Schnelllebigkeit unserer Gegenwart geben? „Der Mensch ist täglich einer überbordenden suggestiven Bilder- und Medienflut ausgeliefert“, betont der Künstler Thomas Riess. „Mit analytischer Herangehensweise schwimmen auch ich in dieser Woge von Alltagsreizen, in der ich das sinnlich Wahrgenommene wie Strandgut sammle, um es dann als Anregung für meine künstlerische Interpretation zu benutzen.“ Unsere Wirklichkeit wird oft von medial generierten Bildern beherrscht, die klare Botschaften verkünden; ob nun Werbesujet oder Facebookfoto, fast immer scheint vorgeschrieben zu sein, wie wir etwas zu sehen haben: ein bestimmter Blickwinkel wird festgelegt, eine konkrete Bedeutung suggeriert. Riess hinterfragt in seinen Collagen, Fotoübermalungen und Malereien diese Bilder und bricht gängige Betrachtungsmuster auf, er manipuliert das Gesehene und deutet es neu – ja er verunklärt unseren Blick und lässt durch bildnerische Interventionen neue Kontexte und Sinngehalte entstehen.

Eine menschliche Gestalt mit sonderbarem Maschinenkopf, verwaschene abstrahierte Formen vor realistischer Landschaft, ein Porträt mit Totenschädel: Die vertraut und fremd zugleich erscheinenden Bildwelten irritieren, verunsichern, fordern unsere Wahrnehmung heraus. Vorgefundene Abbildungen aus Zeitungen und Magazinen (oft auch älteren Datums) sind Inspirationsquelle und Arbeits- material für Werke an der Schnittstelle zwischen Malerei, Grafik und Mixed Media, die in einem selbstbestimmten Sehen „den Realitätsbezug in Frage stellen“. In Fotoübermalungen isoliert Riess Bilddetails und hebt sie hervor, mitten in einer Fotografie lässt er abstrakte (aber doch wie gegenständlich wirkende) Malkleckse auftauchen, er collagiert verschiedene Fotoschnipsel zu ungewohnten, teils surrealen Bildzusammenhängen und übermalt etwa die Gesichter von Fotomodellen, um durch Auflösung der Form ihr „fratzenhaftes Aussehen“ auszulöschen. „Immer wieder baue ich Attribute des Täglichen ein“, so der Künstler, „das ich, sobald es der Realität zu nahe kommt, wieder seines Inhaltes oder oft auch seiner Kenntlichkeit beraube, um den Betrachter nicht in bereits tiefgetretene Pfade zu führen.“ Verstärkt wird die Metamorphose durch suggestive Bildtitel wie „Schweben“, „Sog“ oder Maschinenraum“, die noch eine zusätzliche Bedeutungsebene generieren.

In den Kleinformaten findet eine grundlegende, primäre Auseinandersetzung statt, manche Motive und Ideen werden in der Folge in großen Malereien übernommen, wobei dem unmittelbar Experimentellen eine geplante Zufälligkeit mit stärker ausformulierter Bildsprache weicht. Innerhalb des malerischen Raums werden die Möglichkeiten des Mediums immer wieder aufs Neue ausgelotet. So erscheinen auf der großen Leinwand die Maschinenmenschen und gesichtslosen Protagonisten, die (alb)traumhaften Gestalten und sich auflösenden figurativen Formen nochmals ganz neu, vielleicht auch eigenständiger als auf den kleinen Collagen, da sie sich stärker von der fotografischen Vorlage losgelöst haben. Die Malerei erschafft sich ihre eigene Realität mit selbst gewähltem Regelwerk und Gesetz. Abstraktion und Gegenstand, Schärfe und Unschärfe, Körper und Form, expressive Geste und illusionistische Landschaft treffen in einem dynamischen Dialog aufeinander und werden in Einklang miteinander kombiniert oder bewusst in Kontrast zueinander gesetzt.

Die Malereien lassen an Erinnerungsfetzen oder Traumbilder denken, die nicht (mehr) genau benenn- und begreifbar sind, deren Gestalt vor dem inneren Auge unklar und nebulös geworden ist. Gegenstände lösen sich auf, Mensch und Maschine gehen unheimliche Symbiosen ein, Gesichtsformen sind ihrer  individuellen Züge beraubt und verschwimmen zu unheimlichen Farbknäueln. Neben der Hinterfragung von Wahrnehmungsprozessen spielen existenzielle Themenstellungen eine wichtige Rolle. Wohl nicht zufällig übermalt Riess in Zeiten der ständigen Selbstvergewisserung und Inszenierung durch den Selfiekult die Gesichter in seinen Porträts bis zur Unkenntlichkeit. Und immer wieder taucht der Totenschädel auf. Seine Rezeption und Darstellung hat schon längst in der Popkultur Eingang gefunden, oft auf einen oberflächlichen (Schock-)Effekt reduziert. In Riess` Arbeiten tritt der Tod dagegen personifiziert als Mahner für die Vergänglichkeit des Seins auf. „Ein neuer Materialismus hat unsere Endlichkeit außer Kraft gesetzt“, betont Riess, „doch man kann das Leben nur verstehen, wenn man sich mit dem Tod auseinandersetzt.“ Das „Memento mori“ -Motiv, seit jeher in der Kunstgeschichte beliebt, hat wohl auch heute nichts an seiner Aktualität eingebüßt.

Nein, Riess gibt keine Antworten auf die mediale Reizüberflutung unserer Welt, in der Sicherheiten brüchig und Realitäten immer fragmentarischer wahrgenommen werden. Doch er findet eindringliche Bilder für diese, unsere Gegenwart, die beim Betrachter lange nachwirken. Ihm gelingt es, gegenwartsbezogen und aktuell zu sein, ohne aber die kunstgeschichtliche Tradition zu vergessen, einen individuellen, persönlichen Ausdruck zu finden und doch auch etwas Grundsätzliches und Allgemeingültiges in seine Werke zu legen. Gerade darin kann die große Qualität von „klassischen“ Medien wie Malerei oder auch Collage liegen: gefundene Bilder unserer schnelllebigen Zeit zu entreißen und sie durch künstlerische Interpretation über den Moment hinaus wirken zu lassen. Besonders gelungen erscheint das dann, wenn, wie bei Riess, ihnen ihre Klarheit, Plakativität und Eindeutigkeit genommen und etwas Rätselhaftes, nicht Greifbares einverleibt wird, das nicht so leicht entschlüsseln werden kann. In einer Zeit, in der vieles vereinfacht und banalisiert wird, ein durchaus reizvoller Gegenentwurf. 

Can painting be a viable way to question our multimedia reality, to reflect on it, to find accurate images for it? Can one of the most traditional media of the fine arts give an appro- priate answer to the fast pace of our present, in a world that seems to be ruled by photos on Instagram and films on YouTube, by digital im- ages and virtual realities? “People are exposed to an excessive flood of suggestive images and media every day” the artist Thomas Riess emphasizes. “With an analytical approach, I, too, am swimming in this surge of everyday stimuli, collecting sensory perceptions like flotsam in order to use them as an impulse for my creative interpretation.” Our reality is often ruled by mediagenerated images delivering clear messages; whether a commercial subject or Facebook photo – it almost always seems that the way we have to see something has already been prescribed: a certain perspec- tive is set, a concrete meaning is suggested.

In his collages, overpaintings of photographs and paintings, Riess questions these images and breaks conventional patterns of viewing, he manipulates the viewed image and reinter- prets it – he indeed de-idealizes our view and creates new contexts and meanings through artistic intervention.

A human figure with a strange machine head, faded, abstracted shapes in front of a realistic landscape, a portrait with a skull: the familiar and at the same time alien looking worlds of imagery irritate, unsettle, and challenge our perception. Images encountered in newspapers and magazines (often dating back some time) are the fountain of inspiration and materials for works at the intersection between painting, graphics and mixed media which “question the relation to reality” by means of selfdetermined viewing. In his overpaintings of photos Riess isolates details of the image and emphasizes them; he makes abstract (and yet somehow concretelooking) paint blots appear in the middle of a photograph, he collages different photographic snippets into unusual, sometimes surrealistic pictorial contexts, and overpaints the faces of photo models in order to wipe out their “grotesque look” by dissolving the form. “I repeatedly include attributes of daily life”, says the artist, “which, as soon as it gets too close to reality, I divest of its content or often also of its recognizability in order not to lead the viewer onto already welltrodden paths.” Suggestive titles such as “Float”, “Suction” or “Machine Room” amplify the metamorphosis, generating an additional level of meaning.

In the smallformat pictures a basic, primary dispute takes place, some motifs and ideas are subsequently taken over in bigsize paintings where the instantaneously experimental gives way to a planned randomness with a stronger defined imagery. Within the painted space, the possibilities of the medium are newly explored again and again. Thus, the machine men and faceless protagonists, the (nightmarish) dream- like figures and dissolving figurative shapes reappear on the big canvas, perhaps even more independent than on the small collages as they are more detached from the photographic original. Painting creates its own reality with its selfchosen set of rules and laws. Abstraction and object, sharpness and blur, body and shape, expressive gesture and illusionistic landscape meet in a dynamic dialogue and are harmonically combined with each other, or deliberately contrasted.

The paintings remind of memory fragments or dream images which are (no longer) accurately nameable and palpable, whose shapes have become blurred and vague in front of the inner eye. Objects dissolve, man and machine form eerie symbioses, faces are bereft of their individual features and blurred to become spooky balls of color. Next to questioning perception processes, existential topics play an important roll. It is no coincidence that in times of permanent self-reassurance and selfstaging through the selfie cult, Riess is overpainting the faces in his portraits, rendering them unrecognizable. And again and again appears the skull. Its reception and representation has found its way into pop culture long ago, often reduced to a superficial (shock) effect. In Riess‘ works, however, death appears personified as admonisher of the transience of existence. “The new materialism has suspended the finiteness of our existence”, Riess emphasizes. “But one can only understand life by dealing with death.” The motif of the “memento mori” – populär all along in art history – has lost none of its relevance today.

No, Riess does not provide answers to the media overstimulation in our world, where certainties are fragile and realities are per- ceived more and more fragmentary. But he finds strong images for this present of ours which have a longlasting effect on the viewer. He succeeds in being contemporary and up-to-date without forgetting the tradition in art history of finding an individual, personal way of expression and still including something basic and universally valid in his works. Exactly this can be the great quality of “classical” media such as painting or collage: to snatch images from our fastpaced time and let them take effect beyond the here and now through artistic interpretation. This turns out especially successful, if, as it is the case with Riess, they are stripped of their clarity, their eyecatching effect and unambiguousness, and something puzzling, unseizable which cannot be easily deciphered is incorporated. Certainly a tempting alternative concept in a time in which so much is simplified and trivialized. 

 


Curriculum
1970 geboren in Tirol, lebt in Wien
1995 Studium an der Universität Mozarteum Salzburg, Klasse für Graphik bei Prof. Herbert Stejskal
2001 Diplom
 

Sammlungen / Collections
Sammlung des Landes Tirol
Sammlung der Stadt Salzburg
Sammlung der Stadt Innsbruck
Sammlung der Stadt Imst
Sammlung Hypo Tirol Bank
sowie diverse private Sammlungen

 

Preise, Stipendien / Grands, Residencies
2010  
RLB-Kunstpreis (Finalist)
Artist in Residence Paliano/Rom (I), Stipendium des Landes Tirol
Artist in Residence, Hotel Hospiz
2009
Kunstsymposium Medulin (HR)
2008
3. Premio Internazionale Arte Laguna (Finalist)
Welde Kunstpreis für Malerei (Finalist)
2005
Durst Kunstpreis für Malerei und Grafik
2001
Artist in Residence Paliano/Rom (I), Stipendium des Landes Tirol
2000
Stainacher Kunstpreis (Stmk.)
1999
Internationale Sommerakademie Salzburg, Stipendium des Landes Salzburg

Curriculum
1970 Tyrol, lives in Vienna
1995 Studies at the Mozarteum Art University in Salzburg, Class for Graphic Arts and visual Media 2001 Diplom